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Freitag, 2. Oktober 2015

Kongressnachlese - 1. Tag: In der Karl-May-Stadt Bamberg


»O alte Frankenherrlichkeit ...« Als ich vor knapp zwei Jahren das erste Mal in die fränkisches Metropole Bamberg (=> Homepage) gereist war, um dort das 100. Jubiläum des Karl-May-Verlags (=> Homepage) zu feiern, hatte ich mich bereits auf der Hinfahrt ausführlich über die Zustände auf der A3 mokiert. Ich schlich damals von einer Baustelle zur nächsten, von einem Stau in den anderen, es war einfach nur nervig. Heute, immerhin zwei Jahre später, hatte ich die Hoffnung gehabt, dass ich auf frisch ausgebesserten Straßen zügig gen Süden reisen könnte, aber weit gefehlt. Es war wieder einmal eine Tortur. Nein, auf deutschen Autobahnen zu fahren, ist zurzeit wahrlich kein Vergnügen. Und immer noch fährt man an kilometerlangen gesperrten Baustellenbereichen vorbei, in denen nichts und niemand arbeitet. Da stellt man sich doch kopfschüttelnd die berühmte Frage nach dem Sinn? 

Dr. Johannes Zeilinger eröffnete den Kongress

» … dorthin bin ich gezogen!« Dennoch erreichte ich auch dieses Mal wieder wohlbehalten mein Ziel. Damals wohnte ich in einer winzigen Kammer in einer kleinen Pension in der Innenstadt. Dieses Mal erwartete mich das renommierte Welcome Kongresshotel Bamberg, ein Dreisternehaus, das direkt neben dem Veranstaltungsort, der Konzert- und Kongresshalle Bamberg (=> Homepage) liegt. Im sogenannten Kleinen Saal dieses Stammhauses der Bamberger Symphoniker (=> Homepage) hatte das Ehepaar Hans Grunert in bewährter Manier den 23. Kongress der Gesellschaft der Freunde Karl Mays (=> Homepage) ausgerichtet.


Der Stand des Karl-May-Verlags

Andreas Starke

»Ich freu‘ mich auf die gold‘ne Zeit ...« Um 15:00 Uhr sollte der Kongress dann eröffnet werden, allerdings staute sich noch um viertel vor drei Uhr alles vor dem Kongressbüro, das am Eingang zur Kongresshalle aufgebaut war, sodass der erste Vorsitzende der der Karl-May-Gesellschaft e.V., Dr. Johannes Zeilinger (*1948), erst mit einiger Verspätung, die im »aber gar nicht unangenehm« sei, den Startschuss gab. In warmen Worten betonte er die Bedeutung der Stadt Bamberg für Karl May, was der Oberbürgermeister der Stadt Bamberg Andreas Starke (*1956) wie einen Spielball aufnahm und es sich nicht nehmen ließ, in seinem Grußwort die Vorzüge seiner Stadt mit einem Augenzwinkern darzustellen und die Besucher des Kongresses offiziell zu begrüßen und als Hausherr willkommen zu heißen.

Bernhard Schmidt 

»So hoch die Herzenswogen!« Folgerichtig eröffnete dann ein Vortrag des in Bamberg ansässigen Karl-May-Verlagsleiters Bernhard Schmid (*1962) den Reigen der Festvorträge der in sehr lockerer, charmant larmoyanter Art und Weise über die Frage philosophierte, wann denn eine Karl-May-Stadt eine Karl-May-Stadt sei und ob Bamberg dieses Titel nun wirklich verdiene. Die letzte Frage blieb offen, ein jeder sollte nach dem reich bebilderten Blick in die Geschichte des Karl-May-Verlags wohl selbst imstande sein, sich seinen eigenen Reim darauf zu machen. Dennoch aber war dieser Vortrag kurzweilig und voller Humor, etwas, das den erfolgreichen Redner auszeichnet, und er zeigt auch, genau wie der Kongressort Bamberg selbst, dass die Differenzen zwischen Karl-May-Verlag und Karl-May-Gesellschaft nun endgültig der Vergangenheit angehören.


Prof. Dr. Hartmut Vollmer führte gewohnt souverän durchs Programm 

»Begeistert spähe ich umher ...« Was nun folgte, kann und muss als der erste wirkliche Höhepunkt dieses Kongresses bezeichnet werden. Der Vortrag des deutschen Publizisten und Musikkritikers Dr. Harald Eggebrecht (*1946) widmete sich unter dem Titel »Wie viel Kolportage steckt im Spätwerk?« dem Verhältnis zwischen den sogenannten Kolportage-Romanen Mays und dessen Spätwerk. Ganz klassisch definierte er zunächst die Begriffe »Kolportage« und »Spätwerk«, damit die Zuhörenden auf einer Verstehensebene waren, und analysierte mit bewundernswerter Textkenntnis und brillianter Verve die Texte Mays, die zeitlich zwar weit auseinanderliegen, die aber dennoch inhaltlich sehr eng mit einander verbunden zu sein scheinen. Die Stimme Eggebrechts ist allerdings eine extra Bemerkung wert. Angenehm sonor und ungeheuer ausdrucksstark wünscht man sich, sie in Hörbüchern und Hörspielen oder vielleicht sogar im Synchron zu hören – Hörbücher hat Eggebrecht denn dann nach eigener Aussage auch schon gemacht.

Dr. Harald Eggebrecht



»... ergreife den Longinus-Ger!« Den ersten Abend beschloss dann eine Lesung, die nur bedingt mit Karl May zu tun hatte. Das Bamberger Autorenehepaar Gudrun Schury (*1959) und Dr. Rolf-Bernhard Essig (*1963; => Homepage) bot eine äußerst vergnügliche, szenisch angelegte Lesung aus ihrem neuesten Werk »Schlimme Finger. Eine Kriminalgeschichte der Künste von Villon bis Beltracchi«. Nach einer kurzen Vorstellung der Intention des Werks wurden zwei Fälle genauer erläutert. Der erste Fall ist der der Kriminalautorin Anne Perry (*1938; => Homepage), die als Jugendliche mithalf, die Mutter ihrer Freundin auf brutalste Art und Weise vom Leben zum Tod zu befördern. Nach Ableistung ihrer Gefängnisstrafe begann sie unter neuem Namen ein neues Leben und wurde die gefeierte Autorin von historischen Krimis, als die sie heute bekannt ist. Der zweite Fall ist der des deutschen Maler- und Kunstfälscherehepaars Helene und Wolfgang Beltracchi (*1951), der 2011 in einem der größten Kunstfälscher-Prozesse der Welt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Insgesamt gehen Ermittler von einem Betrugsgewinn von 20 bis 50 Millionen Euro aus. Das Format entwickelten die Autoren nach eigener Aussage für ein jugendliches Publikum, wollten es aber auch den Kongressbesuchern nicht vorenthalten. Schade nur, dass sich letztlich nicht sehr viele Kongressbesucher zu dem 19:30 Uhr Termin einfanden, aber die, die da waren, genossen die Lesung sehr.

Das Ehepaar Gudrun Schury und Dr. Rolf-Bernhard Essig


»Quod erat, erat, erat, quod erat demonstrandum!« Den geselligen Ausklang, der ganz im Zeichen vieler guter Gespräche, gutem Essen und geistvoller Getränke stand, verbrachte man dann in der Gaststätte Plückers, bevor man sich dann auf seinem Zimmer in Morpheus‘ Arme begab.


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