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Samstag, 17. Mai 2014

Godzilla – ゴジラ – und die Arroganz der Menschen – Gareth Edwards zweite große Regiearbeit

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Bigger, Better, Faster, More!“ möchte man gemeinsam mit einer einstigen US-amerikanischen Alternative-Rockband der 1990er Jahre aus San Francisco ausrufen, nachdem man sich im Kino den neuen Godzilla-Film angesehen hat. Größer, besser, schneller, mehr! Doch was mich immer am meisten interessiert, wenn ich einen Film sehe, sind nicht die Effekte und die Hascherei danach, also nicht das Größer, Besser, Schneller, sondern viel eher das Mehr! Und danach sucht man hier vergebens. Leider.

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Warum ist das so? Zum einen liegt das wohl im Stoff begründet. „Godzilla“ ist der mittlerweile dreißigste Film (sic!) in fünfzig Jahren. Man möchte also meinen, dass das Thema doch ziemlich ausgereizt ist. Dabei handelt es sich um ein fünfzig bis einhundert Meter großes japanisches Filmmonster (怪獣 (Kaijū)), einer ursprünglichen Planung zufolge eine Mischung aus Gorilla und Wal, was zumindest eine - nie offiziell bestätigte - Erklärung für den japanischen Namen ゴジラ (Gojira) wäre (ゴリラ (Gorira) = Gorilla und 鯨 (クジラ (Kujira) = Wal), das sich seit seiner Erfindung im Jahr 1954 immer mal wieder mit anderen Filmmonstren herumschlagen muss, dabei allerdings niemals im strengen Sinn des Wortes böse ist, sondern, ganz im Gegenteil, als Retter der Menschheit auftritt. Zum anderen liegt es aber auch wohl am Drehbuch, bzw. am Plot, der es dem Zuschauer nicht erlaubt, zu den wenigen Charakteren des Films eine fühlbare Beziehung aufzubauen. Auch lässt die Geschichte es nicht zu, dass die Schauspieler ihre Rollen mit Leben füllen. Sie tun, was sie können, aber sie können nicht viel tun - Charakterentfaltung lässt dieser Stoff kaum zu.

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Worum geht es? In einer Rückblende ganz zu Beginn des Films erfährt der Zuschauer die Geschichte des amerikanischen Seismologen Joe Brody (Bryan Cranston (*1956)), der mit seiner Frau Sandra (Juliette Binoche (*1964)) und seinem Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson (*1990)) in Japan lebt und dort für die Erdbebensicherheit eines Atomkraftwerks zuständig ist. Bei Minenarbeiten auf den Philippinen wurde ein einer riesigen Motte ähnelndes prähistorischen Monster namens „Muto“ erweckt, das daraufhin in Japan eben dieses Atomkraftwerk zerstört, wobei Sandra ums Leben kommt, wofür sich der Wissenschaftler selbst die Schuld gibt. Warum das Monster gerade das Atomkraftwerk angreift, bleibt zunächst offen. Offiziell wird als Ursache des Unglücks jedoch ein Erdbeben angegeben. Damit hätten wir bereits ein Hauptmotiv der Godzilla-Reihe, nämlich die Atomkraft und die Gefahren, die von ihr und ihren Förderstätten ausgeht.

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Die Haupthandlung setzt dann einige Jahre später an. Joes Sohn Ford, Berufssoldat und Experte für Waffenentschärfung, der mit seiner Frau Elle (Elizabeth Olsen (*1989)) und seinem Sohn in San Francisco lebt, kommt nach Japan, um nach seinem Vater zu sehen, der unerlaubt im Sperrgebiet um das Atomkraftwerk aufgegriffen wurde. Ford, der die Ereignisse von damals verdrängt hat und nicht wahrhaben will, lässt sich von seinem Vater überzeugen, noch einmal ins Sperrgebiet einzudringen, um wichtige Datendisketten sicherzustellen. Dabei werden sie wiederum festgenommen und lernen Dr. Ichiro Serizawa (Ken Watanabe (*1959)) kennen. Das Muto ist immer noch in dem Atomkraftwerk gefangen, wo es sich von radioaktivem Material ernährt. Serizawa soll das Muto untersuchen und studieren. Hier wird immer wieder betont, dass „untersuchen“ und „begreifen“ wichtiger als „vernichten“ ist. Das Muto kann sich jedoch befreien und entfliehen, wobei Joe Brody ums Leben kommt. Serizawa bildet den philosophisch-moralischen Pol des Films. Er ist es, der immer wieder Überlegungen über den Sinn des Geschehens anstellt, und dessen Bedeutung auf einer höheren Ebene hinterfragt.

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Das Muto wendet sich gen Amerika, weil es von dort den Ruf eines weiteren, allerdings weiblichen, Mutos vernommen hat, das sich dort in einem Atommüllendlager entwickeln konnte. Dieses zweite Muto ist wesentlich größer und stärker als das erste und will sich paaren. In der Zwischenzeit ist Godzilla aus dem Meer aufgetaucht und verfolgt das Muto. Serizawa erkennt in Godzilla ein urzeitliches Alphatier, dass einzig und allein die Aufgabe hat, das natürliche Gleichgewicht zu erhalten und wiederherzustellen. Das Militär reagiert allerdings skeptisch auf diese Erklärung und versucht mit einem ausgeklügelten Plan, die Monster aufs Meer zu locken, wo sie dann mit Atomsprengköpfen vernichtet werden sollen.


Damit ist das Szenario bestimmt. Der Rest des Films zeigt nun den Kampf der Menschen gegen die Monster und den Kampf Gozillas gegen die Mutos. An CGI-Action mangelt es nicht, hier kommen Freunde des Genres voll auf ihre Kosten, aber an Tiefe fehlt es dem Film. Ford, der augenscheinlich die Hauptfigur der Geschichte ist, muss immer wieder, ohne es eigentlich zu wollen, in militärische Aktionen eingreifen, ist ständig auf der Suche und in Sorge um seine Familie, von der er getrennt wurde und hat zwischenzeitlich noch Zeit, sich um ein Kind zu kümmern, das von seinen Eltern getrennt wurde und es diesen wieder zuzuführen. Für all das erntet er kaum Dank. Natürlich überlebt er und natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit seiner Familie.


Die Botschaft des Films ist oberflächlich und plakativ - wie auch nicht anders zu erwarten: Atomenergie birgt Gefahren, die der Mensch nicht beherrschen kann und nicht immer ist eine Atombombe die Lösung für alle Probleme der Menschheit. Das Ganze gipfelt schließlich in der moralinsauren Erkenntnis und Erklärung Serizawas: „Die Arroganz der Menschen ist, zu glauben, wir hätten die Natur unter Kontrolle und nicht anders herum. Lasst sie kämpfen!“, was sie auch tun. Godzilla, der „König der Monster“, „rettet die Stadt“, wie es am Ende des Films heißt, natürlich, es kann ja auch nicht anders sein, legt man eine positive Grundhaltung des Films zugrunde.


Was bleibt dem Zuschauer danach? Das kommt wohl ganz darauf an, mit welcher Erwartungshaltung dieser in den Film gegangen ist. Hat er nur den Wunsch, einen Monsterfilm mit wenig Hirn und viel sinnloser Action zu sehen, wird er vollauf befriedigt das Kino wieder verlassen. Immerhin hat er drei Monster gesehen, von denen zwei bis auf Größe und Geschlecht absolut gleich sind, und eine militärische Menschen- und Materialschlacht, die ein Loblied auf das Kriegshandwerk als Verteidigungswissenschaft des 21. Jahrhunderts singt. Also eine vollkommen ausreichende Belastung für ein Gehirn, das nicht großartig in Tätigkeit kommen möchte. Hat er jedoch den Anspruch gehabt, in den Monstern eine große Allegorie auf philosophisch-moralische Belange der Menschheit zu erkennen, wird er wohl eher enttäuscht sein und große Schauspielkunst gab es mangels Möglichkeiten, sie zu zeigen, auch nicht zu genießen.
Das Fazit ist ernüchternd. Wieder einmal hat man eine alte Geschichte genommen, die in der Zeit des Kalten Krieges noch eine gewisse Brisanz aufzuweisen hatte, nun aber ihr sämtliches Pulver im wahrsten Sinne des Wortes verschossen zu haben scheint. Wiedermal hat man keine neue Idee gehabt, eine Tatsache, an der Hollywood und viele andere große Filmschmieden schon seit langem kranken. Und auch als Nachfolger der letzten großen Godzilla-Verfilmung durch Roland Emmerichs (*1955) aus dem Jahr 1998 kann dieser Film kaum glänzen, erreicht er ja noch nicht einmal die Selbstironie des Vorgängers. Bleibt zum Schluss also nur, erneut eine ausgelutschte alte Formulierung zu bemühen: Außer Spesen nichts gewesen!

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