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Donnerstag, 29. Mai 2014

A Million Ways To Die In The West – Seth MacFarlanes Hommage und Abgesang an den Western

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 Ich habe gelacht! Ja, ich kann es nicht leugnen, ich habe einige Male laut auflachen müssen in diesem Machwerk des US-amerikanischen Schauspielers, Synchronsprechers, Drehbuchautors, Komikers, Filmproduzenten, Regisseurs und Sängers Seth MacFarlane (*1973). Doch ist das Lachen an manchen Stellen – und das bezog sich tatsächlich wie ich im Vorhinein befürchtet hatte, leider nur auf die bereits aus den Trailern bekannten Szenen, über die ich dann trotzdem noch einmal herzlich lachen konnte (sic!) – bereits ein Indiz für einen gelungenen Film? Nein, leider ist es das nicht. 
Dabei hat sich der Macher von Ted (2012) doch solche Mühe gegeben. Und dieser Ted hatte bereits die Gemüter und Geschmäcker gespalten – ich gehörte wohl eher zu der Fraktion, die danach das Geld für die Kinokarte wiederhaben wollten und sich schworen, nie wieder in einen Film dieses MacFarlane zu gehen … Was mich allerdings wieder ins Kino getrieben hatte, war die Liebe zum Western als Filmgenre, obwohl mir eigentlich schon seit langem klar geworden ist – und dieser Kinobesuch hat das wieder einmal bestätigt, dass der Western heutzutage nicht mehr funktioniert, ja, vielleicht sogar einfach nicht mehr funktionieren kann. Das beweist das klägliche Scheitern von Gore Verbinskis „Lone Ranger“ (2013) ebenso, wie die scheinbaren Erfolge „True Grit“ (2010) der Coen-Brüder und Tarantinos „Django Unchained“ (2012), aber seien wir mal ehrlich, so richtige Western waren das auch nicht wirklich, von „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990), „Erbarmungslos“ (1992), „Dead Man“ (1995), und „The Missing“ (2003) einmal ganz abgesehen.

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Es fehlen die John Waynes, die Dean Martins, die Gary Coopers, eben jene Typen-Schauspieler, die den echten Westernhelden noch Leben einhauchen können … Leider … Also geht es wohl nur in der Parodie? „Der Schuh des Manitu“ (2001) war zwar ein großer Erfolg, aber wohl doch nur aufgrund der Popularität des Machers Michael „Bully“ Herbig (*1968) auf der einen und der Karl-May-Filme der 1960er Jahre auf der anderen Seite. Also auch wieder kein reiner Western.

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Doch kommen wir zurück auf die Gags. Die sind alle ziemlich unter der Gürtellinie angesiedelt, intelligenten, hintergründigen Humor wird man hier vergeblich suchen. Wozu auch, lacht doch der moderne Mensch scheinbar nur noch über sexuelle Anspielungen und fäkalsprachliche Mutationen. Zwischen diesen „Witzen“ versucht eine Handlung in Gang zu kommen, die im Wesentlichen daraus besteht, dass ein Feigling und Maulheld, der typische „Coward Of The County“ den eigentlichen Mannesmut in sich entdeckt und sich zu einem „echten Kerl“ wandelt, die wahre Liebe seines Lebens erkennt und für diese schließlich heldenhaft kämpft. Das gelingt ihm natürlich nicht auf Anhieb. Es dauert und dauert und dauert … es braucht einige Drogenexzesse und den Beistand von Indianern – interessanterweise sind es Apachen unter dem Häuptling Cochise, bis der Held endlich sich selbst erkennt.

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Überraschend ist die Starbesetzung: Neben Seth MacFarlane selbst agieren Charlize Theron (*1975) als Anna, die Frau des schurkischen Bösewichts und Revolverhelden Clinch Leatherwood (Achtung: Nomen est omen!), hier völlig fehlbesetzt mit Liam Neeson (*1952), der zwar ein ordentliches Spiel liefert, dem man aber den Villain nicht wirklich abnehmen will, er wirkt viel zu nett. Theron dagegen brilliert mit viel Spaß an der Sache und spielt alle anderen ziemlich an die Wand. Allein schon wegen ihr ist der Film dann doch sehenswert. Amanda Seyfried (*1985) verblasst als untreue Louise ein wenig an der Seite von „Mr. Moustache“ Neil Patrick Harris (*1973) als Ekelpaket Foy und Sarah Silverman (*1970) und Giovanni Ribisi (*1974) geben ein wunderbar naives und irgendwo auch tragikomisches Dummerchen-Pärchen.

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Erwähnenswert ist auch der völlig klassische Soundtrack von Joel Neely, der einen ganz eigenen Reiz aufweist, weil er so gar nicht mehr in die heutige Zeit zu passen scheint und zu dem sogar kein geringerer als der amerikanische Country-Superstar Alan Jackson (*1958; => Homepage) den Song „A Million Ways To Die“ beisteuerte.

 
MacFarlane gelingt hier zweierlei: Zum einen eine Hommage, eine Verbeugung vor den Western des 20. Jahrhunderts – bereits im Vorspann, der völlig untypisch wie damals alle Beteiligten in einer entsprechenden Schriftart – vorher – nennt und eine lange, stimmungsheischende Kamerafahrt durch die typische Westernkulisse des Monument-Valleys förmlich zelebriert und die Kinobesucher unruhig auf ihren Sitzen hin- und herrutschen lässt. Hier werden Erinnerungen an die Karl-May-Filme und die Italo-Western der 1960er Jahre wach ... Zum anderen aber komponiert er den Abgesang auf das komplette Genre, er deckt hemmungslos seine Schwächen auf und singt dem Western so das Totenlied. Und das betont er noch durch surrealistisch anmutende Traum- und/oder Visionssequenzen, die ein wenig wie Bilder von Dali wirken, zu dem dann auch wieder auffällig die Schnurrbartmode passt: Aufgepfropfte Kunstimitationen, sinnentleert und unpassend. Weniger wäre hier mehr gewesen.


Was man nun davon halten soll? Ich weiß es nicht, wenn ich ehrlich sein soll. Wieder hat es McFarlane geschafft, zu polarisieren. Soll man diesen Film mögen, soll man ihn hassen? Ein Millionen Arten, wie man im Wilden Westen zu Tode kommen kann, verspricht der Titel. Doch der Film ist nur die eine Millionen und einste Art, wie der Western letztlich sterben kann. Ob man MacFarlane das als Verdienst anrechnen kann und wird, muss die Zukunft zeigen. Und so steht am Ende dieser Besprechnung am Sinnvollsten wohl der Text von Jacksons Lied, denn er ist mit Abstand das Aussagekräftigste des Films.
 
Alan Jackson
A Million Ways to Die

Cowboys and pioneers
Come lend your eyes and ears
I've got the need to testify
Don't try to build your nest
Out in the open West
'Cause there's a million ways to die

Six bullets in the gut
Or just a papercut
Too many ways to quantify
They'll cut your ankle off
To cure a minor cough
'Cause there's a million ways to die

A million ways to die

It's a hundred and one
In the shade or the sun
If you fall asleep you fry

A million ways to die

You can live like a saint
But there just really ain't
No avoidin' a million ways to die

Small pox and bigger pox
And deadly tomahawks
Or God forbid you steal a pie
They'll blast you into shards
For playin' good at cards
'Cause there's a million ways to die

Out on the desert plains
It hardly ever rains
And you can hear coyotes cry
They'll eat you up and then
They'll shit you out again
'Cause there's a million ways to die

A million ways to die

With a whoosh and a whack
There's a knife in your back
'Cause you got a fancy tie

A million ways to die

It's a kick in the pants
But you don't have a chance
Of escapin' a million ways to die

A million ways to die 
 

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