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Samstag, 27. April 2013

Todesdrang im Kasino-Keller – Michael Hübner las in Grenzhausen




Für den Westerwälder Newcomer-Autor Michael Hübner (*1968) war es ein klassisches Heimspiel. Die Buchhandlung meinBUCHHAUS aus Höhr-Grenzhausen hatte in Kooperation mit dem ebenfalls ortsansässigen Hotel Heinz zu einer Lesung des Thriller-Schriftstellers in seiner Heimatstadt geladen – es war die erste von vielen Veranstaltungen dieser Art, die noch folgen sollen. Und sie war, rundheraus gesagt, ein voller Erfolg. Der Kasino-Keller in Stadtteil Grenzhausen platzte schier aus den Nähten. Zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden, damit alle, die gekommen waren, auch Platz fanden. Und in diesem herrlichen, stimmungsvollen Ambiente entführte Hübner seine Zuhörer in die Abgründe eines psychopathologischen Monsters, der das erklärte Ziel hat, einem leitenden Bankangestellten das Leben zur Hölle zu machen. Dabei scheut sich Hübner nicht, die gesamte Palette menschlicher Abgründigkeit zu zeigen und gleichsam dem Motto seines Lieblingsautoren und größten Vorbilds Stephen King den Horror aus dem Alltäglichen entstehen zu lassen.


Der Plot scheint nicht neu, fühlt man sich doch bei der Lektüre an die David-Hunter-Romane eines Simon Beckett erinnert. Auch Stieg Larsson und Jason Dark – man erinnere sich an den Bericht über die Lesung im Bonner Pantheon auf diesem Blog – lassen hier und da zwischen den Zeilen grüßen. Und obwohl man hier nicht die hintergründige Tiefe eines Alfred Hitchcock oder einer Agatha Christie finden wird, so doch aber deren Suspense, und was vielleicht als das eigentlich Mutige und wirklich Bedeutsame an diesem Autor angesehen werden muss, ist, dass er seine Geschichten in seiner Heimat spielen lässt und den Westerwald damit literarisch salonfähig macht, zumindest, was den Bereich des Krimis angeht. Nun hat nicht mehr nur die Nachbarregion Eifel ihren persönlichen Krimi-Autor – die sogenannten Eifel-Krimis erfreuen sich ja auch überregional einer gewissen Beliebtheit – nein, nun schickt sich auch der Westerwald an, seinen eigenen Krimi-Autor zu bekommen.



Jung, schmalhüftig, scharf, so ist Hübner, der für das, was seine Phantasie gebiert, einen geradezu braven und biederen Eindruck macht. Sympathisch und augenzwinkernd stellt der verheiratete Vater von drei Töchtern seinen Roman vor, streng darauf bedacht, sich selbst als ganz normalen, ungefährlichen Menschen darzustellen, vor dem man keineswegs Angst haben muss, weshalb er auch weniger drastische Textstellen für seine Lesung ausgewählt hat, die kaum dazu angetan sind, Alpträume zu bescheren. Darin entfaltet er zum einen die trügerische Eigenheimidylle seines Protagonisten in Nauort, einer Gemeinde am Rande des Westerwaldes, und entwirft das Psychogramm von dessen Antipoden, einem seelisch kranken Hacker, dem die Hauptfigur nichts getan hat und der sich rein zufällig seine Opfer sucht, da einer es ja schließlich werden muss. Der Todesdrang ist somit psychologische Ursache und Tatmotiv.



Dies ist bereits der dritte Roman, den Hübner veröffentlicht hat. Nach „Stigma“ (2011) und „Sterbestunde“ (2012) folgt nun im schönen Einjahrestakt dieser neue Roman „Todesdrang“ (2013), alle bei Goldmann erschienen. Und genau das ist wiederum eine Besonderheit. Hübner publiziert nämlich weder bei einem Noname- oder Selbstverlag, noch bei BoD, sondern beim renommierten Goldmann-Verlag, was ja allein schon ein Aushängeschild für Qualität sein sollte.





Die Zuhörerschaft im Kasino-Keller war dann auch an diesem Abend sehr zufrieden und dankte dem Autor mit anhaltendem Applaus für die zirka einstündige Lesung. Bei der anschließenden Signierstunde bildete sich eine Schlange von Fans, und Hübner schrieb sichtlich gern jedem seine gewünschte Eintragung ins Buch. Ebenfalls entwickelten sich eine Reihe persönlicher Gespräche zwischen dem Schriftsteller und seinen Lesern, in denen unterschiedliche Facetten aufgeworfen wurden und natürlich Fragen zu seiner Biographie, seinem Werdegang und seiner Arbeitsweise gestellt wurden. Man darf also gespannt sein, welche abgründige Geschichte Hübner seinen Lesern im nächsten Jahr präsentieren wird. Wer die Lesung verpasst haben sollte und den Autor gerne doch noch life erleben möchte, kann dies am Freitag, den 3. Mai 2013 um 19:30 Uhr in der Filiale der Buchhandlung meinBUCHHAUS in Wirges/Ww tun.


(Dieser Artikel wurde in gekürzter und eingerichteter Fassung in der Westerwälder Zeitung Nr. 101 vom 02. Mai 2013, Seite 22, veröffentlicht: Quelle: Peter Wayand, Todesdrang im Kasino-Keller: Michael Hübner liest in Höhr-Grenzhausen. Literatur: Autor stellt Krimi vor - Protagonist lebt in trügerischer Idylle in Nauort, WWZ Nr. 101 vom 02. Mai 2013, S. 22. Außerdem wurde er am 09. Mai 2013 im Kannenbäcker Kurier ungekürzt veröffentlicht: Quelle: Peter Wayand, Todesdrang im Kasino-Keller - Michael Hübner las in Grenzhausen, Kannenbäckerland-Kurier Nr. 19 vom 09. Mai 2013, S. 15-16)

Dienstag, 23. April 2013

Doc Heel (1) - Folge 2 ist jetzt online!

Und die zweite Folge des Doc Heel-Hörspiels ist online! Viel Vergnügen!


Samstag, 20. April 2013

Sunrise auf Moriah - Patrick Roth liest aus 'seinem' Buch Joseph



Es war schon eine mehr als außergewöhnliche Erfahrung, die die zirka vierzig Zuhörer und Zuschauer am Abend des 18. Aprils 2013 im Priester- und Bildungshaus Berg Moriah in Simmern/Ww (Nähe Vallendar und Koblenz) machen durften, denn das, was der deutsche Schriftsteller und Regisseur Patrick Roth (*1953) in seiner Lesung mit anschließender Fragerunde – die Signierstunde war natürlich obligatorisch – darbot, ging weit über das übliche Angebot einer Autorenlesung hinaus. Doch wer ist dieser Patrick Roth, den ich zugegebenermaßen bis zu diesem Abend weder kannte, geschweige denn, dass ich je von ihm gehört hatte – was wohl allerdings an der Provinzialität des Westerwaldes liegen wird, aus der man nicht nur sehr schwer herauskommt, sondern innerhalb der man auch relativ wenig von dem mitbekommt, was so in der großen weiten Welt geschieht.
 

Patrick Roth ist zunächst und zuallererst einmal ein äußerst charismatischer und spiritueller Zeitgenosse, der, seinem umfangreichen Wikipedia-Profil zufolge, als Cineast und Filmfan in Paris begann, dann aber über den großen Teich nach Amerika ging, um dort Schauspielunterricht bei Daniel Mann (1912-1991) zu nehmen und das Handwerk eines Filmemachers zu erlernen. Er ließ sich in Santa Monica bei Los Angeles nieder, wo er 1975 durch ein Stipendium des DAAD an der University Of Southern California ein filmtechnisches und filmwissenschaftliches Studium begann. Erst 2012 kehrte er völlig nach Deutschland zurück; seine Wurzeln liegen in Freiburg im Breisgau. Er produzierte Filme („The Boxer“ (1978), „The Killers“ (1980)), führte Regie, schrieb Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke, die er selbst inszenierte, und fand langsam auch zum literarischen Schreiben, dessen erste bedeutende Errungenschaft sein Roman „Riverside“ (1991) darstellte. Zu seinem literarischen Oeuvre gehören allerdings auch eine stattliche Anzahl von Novellen und Erzählungen. Eine enorme Vielseitigkeit.



Und genau das umgibt diesen Mann, enorme Vielseitig- und Vielschichtigkeit, der Hauch der Freiheit der großen weiten Welt, ein wenig das Flair der unendlich weiten Welt des Films, verbunden mit einer gottlob nicht verbildeten Intellektualität. Seine Augen sind hellwach und durchgeistigt, und 2006 war er sogar Stadtschreiber von Mainz – man erinnere sich an den Artikel über Peter Stamm, den diesjährigen Stadtschreiber von Mainz auf diesem Blog.



Und dieser Mann, dieser „erratischen Solitär in der Gegenwartsliteratur“ (Anja Hirsch in der FAZ vom 18. Mai 2012 und Uwe Schütte in der Wiener Zeitung vom 26./27. Mai 2012), war nun gebeten worden, im Rahmen eines religionspädagogischen Fortbildungsseminars des Bistums Limburg aus seinem 2012 erschienenen Roman „Sunrise. Das Buch Joseph“ zu lesen und im Anschluss daran Fragen zu beantworten. Und das tat er auch – mehr als ausführlich, denn seine Antworten auf die Fragen waren kleine Essays für sich, ausführlich, episch, anregend.



Worum geht es in Sunrise? Auf eine ausführliche Besprechung des Romans möchte ich hier verzichten, das geschah schon ausreichend an anderer Stelle von profunderer Hand. Daher nur ein paar kurze persönliche Eindrücke: Es geht um einen oft verkannten biblischen Helden, einen Mann, dessen eigentliche Besonderheit darin besteht, eine junge Frau, die nicht von ihm schwanger ist und mit der er verlobt ist, eben nicht allein zu lassen, obwohl er das zunächst in Betracht zieht, sondern fest zu ihr zu stehen und den Sohn, der aus der Schwangerschaft erwächst, als seinen eigenen anzunehmen und großzuziehen. Kurz, es geht um Joseph, den Mann Marias, den Ziehvater des Jesus von Nazareth. Seine Leistung kann, gemessen an den Gepflogenheiten der damaligen Zeit und den Gebräuchen und harten Gesetzen des pharisäischen Judentums gar nicht hoch genug bewertet werden.


In der Bibel erfahren wir relativ wenig über diesen großen Mann, der heute noch als ultimatives Vorbild für alle Väter gelten sollte, vor allem für solche, die „überraschend“ und „unerwartet“ Vater werden. Roth schreibt nun die fiktive Geschichte dieses Mannes und er tut es in einer besonderen Art und Weise, einer unzeitgemäßen, schwierigen, oft für junge Ohren sehr anstrengenden Sprache, die aber einen ganz tiefen, urtümlich anmutenden, geradezu archaisch wirkenden Duktus und Rhythmus aufweist. Auf diese Sprache reagierten die Zuhörer ganz unterschiedlich – und das war auch gut so: Während die einen fasziniert lauschten, teilweise sich mit geschlossenen Augen hineinziehen ließen in das Geschehen, dass Roth lesend entfaltete, rutschten die anderen auf ihren Sitzen herum, versuchten „durchzuhalten“, versuchten mühsam die Mauer zu erklimmen, die sich vor ihrem Verständnis des Textes auftürmte.


Roths Lesart war unaufdringlich, ohne große Theatralik, einem Kammerspiel mit kleinen aber feinen Gesten ähnlich. Im Umgang mit seinen Lesern und Zuhörern war er sehr sympathisch, einfach und interessiert an allem, was ihm entgegenschlug, dennoch aber setzte er auch Grenzen, was die Beantwortung spezieller Fragen betraf, die er einfach nicht als sinnvoll erachtete, sie ganz und völlig zu entfalten, da das dem Roman ein wenig die Rezeptionsmöglichkeiten nähme.
 



Alles in allem also ein gelungener, inspirierender Abend, der neugierig gemacht hat und die Hoffnung auf weitere Werke dieses deutschen Ausnahmeschriftstellers und Künstlers weckt.



Sonntag, 14. April 2013

Doc Heel (1) - Folge 1 ist jetzt online!

Es ist schon immer wieder interessant, wenn man mit einem Projekt, welches lange in der Schublade Zeit zum Reifen hatte, an die Öffentlichkeit geht. So passiert es derzeit auch mit meinem Hörspiel "Doc Heel (1) und das Geheimnis der unheimlichen Asphaltgeräusche oder Doc Heels Rückkehr", welches ich nun in Zusammenarbeit mit Catharsis Puzzles (CP) in einzelnen Folgen online bringe. Mal sehen, wie die Resonnanz so ist. Warten wir es ab!