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Dienstag, 12. Februar 2013

Benedikt XVI tritt zurück - Ein historisches Fanal

„In was für großartigen Zeiten wir leben“, um einmal eine Aussage von Sandra Bullock bei der Bambi-Verleihung im Jahr 2000 aufzugreifen, dass wir Ereignisse von solch historischer Tragweite erleben dürfen! Benedikt XVI, bürgerlich Joseph Ratzinger (*16.04.1927), Theologe von Weltruf und 2005 im Alter von 78 Jahren auf den Stuhl Petri berufen, hat gestern gegen Mittag seinen Rücktritt vom Papstamt erklärt. 
 
Eine unerhörte Begebenheit, ein Ereignis von historischer Tragweite! Seit dem Jahr 1294, als Coelestin V., der „Engelpapst“ von seinem Amt zurücktrat – im übrigen ein umstrittener Fall, wie ein Blick in die historischen Quellen belegt – geschieht dies zum ersten Mal, sieht man einmal von einer kleinen Anzahl offiziell nicht anerkannter Päpste im 15. Jahrhundert ab. Darf ein Papst überhaupt zurücktreten? (Quelle)
 
Doch was ist eigentlich das wirklich Bedeutsame an dieser Entscheidung? Allerorts ist von immensem Respekt die Rede, die man dem Papst für diese Entscheidung zollt. Doch warum eigentlich? Dazu muss man einen Blick in den Originalwortlaut seiner Erklärung werfen, aus der ich hier nur einige entscheidende Sätze zitieren will:

"(...) Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. 
Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. 
Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.
Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss. (…)"
(Quelle)

Der Papst anerkennt die moderne Welt! Er setzt ein deutliches Signal, ja, ein Fanal dafür, dass auch die Kirche sich verändern muss, sich anpassen muss, und nicht mehr in althergebrachten, erstarrten Formen steckenbleiben darf. 
 
Sprach noch sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. davon, dass die Kirche gerade in ihrem Festhalten an den alten Formen, in ihrer Beständigkeit, ihrem Konservativismus, der sprichwörtliche Fels in der Brandung des stürmischen Meeres der Gegenwart sei, so zeigt Benedikt auf, dass es eben nicht die Ignoranz der modernen Welt und des modernen Menschen ist, die die Kirche aus der Krise holt, sondern ein Bekenntnis zum Menschsein, zur Fehlbarkeit, und das macht die eigentliche Weisheit, die eigentliche Großtat des Joseph Ratzinger aus, mit der er sich einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert haben dürfte. 
 
„Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen.“ Das ist der Kern des Rücktritts, die Erkenntnis, die sich in der Kirche manifestieren muss. Somit hat Benedikt uns den einzigen gangbaren Weg aufgezeigt, der in eine für uns alle sichere Zukunft führt. Wir sollten ihn gehen und nicht wieder in Altes, längst Überholtes, zurückverfallen.

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