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Donnerstag, 24. Januar 2013

Neues Lehrwerk zum Theaterunterricht


 Hier geht es zur Verlagsseite!

Das neue Lehrwerk für Darstellendes Spiel und Theater von Thomas A. Herrig und Sigfried Hörner hier in einer kurzen, prägnanten und stilsicheren Präsentation. Ebenso zu empfehlen ist der Lehrerband, der jetzt erst jüngst erschienen ist. Eine ausführliche Besprechung des Lehrwerks folgt etwas später noch auf diesem Blog. Hier erst einmal das Video als Appetithappen!

Sonntag, 20. Januar 2013

Kirchenhierarchie - gottgewollt?

Und wieder einmal habe ich beim Aufräumen ein interessantes Relikt gefunden, was ich hier gerne posten möchte. Es handelt sich hier um einen Leserbrief, den ich im Mai 1994 schrieb. Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: Ich hatte damals eine bereits langjährige Brieffreundin, mit der ich regelmäßig, manchmal bis zu zweimal die Woche, im ausführlichen Briefwechsel stand. Barbara, so hieß die Brieffreundin, wohnte in Eichstätt (Oberbayern) und ich hatte sie während eines Urlaubs in Ramsau (Berchtesgadener Land) kennen gelernt.

Barbara gestaltete damals die Jugendseite der salesianischen Zeitschrift LICHT. Und für einen ihrer Artikel dort schrieb ich den im Folgenden hier wiedergegebenen Leserbrief. Barbara und ihre Redaktion waren von dem Text so begeistert, dass sie mir damals anboten, ihn zu veröffentlichen. Ich habe das damals abgelehnt, wohl aus Angst, dass die dort geäußerten, für damalige Verhältnisse doch recht aggressiven und progressiven Einstellungen und Meinungen zur katholischen Kirche mir in meinem geplanten Theologiestudium Probleme bereiten würden.

Wenn ich den Text heute wieder lese, dann muss ich umwillkürlich schmunzeln über die Radikalität und Kompromisslosigkeit, mit der ich damals vorging und meine Meinung kundtat. Ich war gerade zweiundzwanzig und scheinbar ungeheuer von mir überzeugt. Nichtsdestotrotz denke ich, dass einige meiner damaligen Thesen heute wieder neu gelesen und interpretiert werden können, darüber hinaus ist es einfach ein interessantes Dokument, das meine Entwicklung und meinen Status damals gut wiederspiegelt. 

Ich habe die Orthographie und Zeichensetzung dem heutigen Gebrauch behutsam angepasst, ansonsten aber den Text in seinem ursprünglichen Wortlaut belassen und auch das von mir damals angefertigte Schaubild gescannt und mit eingefügt.

Viel Vergnügen also bei der Lektüre aus einer anderen Zeit.

Kirchenhierarchie – gottgewollt? 

Jesus und die Idee der Communio-Kirche 

Ein Leserbrief 
von 
Peter Wayand 
 
Die Ausgabe 3 (Mai/Juni 1994) der salesianischen Zeitschrift zur Lebens- und Glaubenshilfe LICHT brachte einen Artikel von Barbara Reichmeyer unter der Rubrik „Jugend meint“ mit dem Titel „Hierarchie in der Kirche – Ja oder Nein?“, der mich veranlasste, diesen Leserbrief zu schreiben.

Die christliche Religion kennt verschiedene Entwicklungsstufen ihrer Entstehung. Als Erstes war da Jesus Christus selbst, dann kamen seine Apostel, dann seine Jünger, die heimlichen und offiziellen Anhänger der Lehre Christi, die Urchristengemeinde, die mittelalterliche Christengemeinde, die aufgeklärte Christengemeinde und die mehr oder minder moderne Christengemeinde. Die ganze Entwicklung gleicht einem Baum mit vielen Ästen und Zweigen, dem Stamm Jesus Christus und der Wurzel Monotheismus (Judentum). Wir berufen uns, wenn wir uns auf die Bibel beziehen, auf die zwei unteren Abschnitte. Das Alte Testament kannte nur den den Glauben der Juden mit all seinen Weissagungen und Prophezeiungen („Damit die Schrift erfüllt sei ...“). Das Neue Testament, welches ja für uns Christen das eigentlich 'gültige' Grundlehrwerk ist, bezieht sich auf Jesus selbst und begründet seine Existenz auf die in ihm aufgezeichneten Äußerungen Christi. Seine Lehre war schon für seine Zeitgenossen schwer zu begreifen und zu verstehen. Er sprach viel in Gleichnissen, in Bildern und Metaphern. Er brach hemmungslos mit althergebrachten Konventionen und Gebräuchen, er stürzte ein ganzes Weltbild und erschütterte so diejenigen, die bisher den alten Bund befolgt und als den einzig wahren Dank ansahen, den man dem einen Gott immerhin schuldig war, angesichts der Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft. Man hatte Gott gefürchtet ob seiner unaussprechlichen Macht, man hatte ja immerhin erlebt, wie er den Ägyptern, den Städten Sodom und Gomorrha usw. mitgespielt hatte. Man fürchtete ihn und seine Rache. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Man hatte den Lehrsatz nicht vergessen. Man hatte einfach Angst vor dem grausam sich rächenden und unerbittlich gerechten Gott. Und da kam dann einer wie Jesus, der von Liebe, von Verzeihung und Erbarmen sprach. Dieser Mann scharte Anhänger um sich. Einige wenige, unter ihnen Petrus, drangen besonders nah zu ihm vor. Er 'liebte' sie. Und den einen, den hob er vor allen anderen hervor:

„Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas! Denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist. Und so sage ich dir: Du bist Petrus, der Fels. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was immer du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein.“ (Mt 16,17-19)

Diese Stelle ist seit eh und je der Zankapfel in der Kirche schlechthin. An ihr scheiden sich die Geister. An ihr rechtfertigt der Papst sein Amt. An ihr rechtfertigt die evangelische Religionslehre die Behauptung, der Papst sei unrechtmäßig; Petrus sei der einzige 'Papst' gewesen, nach ihm dürfe sich keiner mehr dieses Amt anmaßen. Und doch, betrachtet man es genau, steht in dieser Stelle kein Wort über ein künftiges Papsttum. Hier geht es um das Fundament, um das Felsenfundament, auf dem die Kirche Christi Wind und Stürmen des Lebens und des Schicksals trotzen soll. Ich denke, wenn man einen Bibelbeweis für die hierarchische Ordnung der Kirche heranziehen will, ist diese Stelle denkbar ungeeignet. Eine Stelle, die sich meiner Meinung nach wesentlich besser hierfür eignen würde, ist folgende:

„Nach dem Frühmahl sprach Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Da sprach er zu ihm: Weide meine Lämmer. Er fragte ihn abermals: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Und er sprach zu ihm: Weide meine Lämmer. Er fragte ihn zum dritten Mal: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da ward Petrus traurig, weil er ihn zum dritten Mal fragte: Liebst du mich? und er antwortete: Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sprach zu ihm: Weide meine Schafe.“ (Jo 21, 15-17)

Aus dieser Stelle heraus ist schon eher eine Bestätigung für das Oberhirtenamt herauszulesen. Die Eindringlichkeit der dreimaligen Frage, womit Petrus sein dreimaliges Verleugnen nach der Festnahme Christi sühnen soll, ist eigentlich rhetorischer Natur. Die ebenfalls gleich darauffolgende Antwort ist zweifelsfrei eine Erhöhung des Petrus, die Verleihung eines Status', der ihn zum Oberhaupt über alle Christen macht. Aber ist aus dieser Tatsache schon die Berechtigung für eine pyramidale Hierarchieordnung mit dem Papst als Spitze abzuleiten? Die von Jesus Christus in seiner Urchristengemeinde vorgesehene Ordnung ist die Idee der auf einer von Gemeinde und Gemeinschaftlichkeit geprägten Ordnung in Form eines Kreises mit Christus als Mitte. Stellen wir also einmal die beiden Ordnungen einander gegenüber:

Die momentan existente pyramidale Form ist eine über den Zeitraum von zirka zweitausend Jahren gewachsene. Diese, sehr stark an die Form der mittelalterlichen Ständegesellschaft erinnernde Darstellung hat so gar nichts mehr mit jener Form gemein, die die Urchristengemeinde noch kannte. Christus als das Zentrum. Die Gemeinde um ihn herum. Denn wie heißt es am Ende des Evangeliums nach Matthäus:

„Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht euch alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie alles halten lehrt, was ich euch geboten habe. Seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ (Mt 28,18-20)
Damit ist zwar einerseits eine Art Befehl ausgesprochen, andererseits aber kein Hinweis auf einer hierarchische Ordnung gegeben. Ich möchte jetzt nicht noch zusätzlich auf die Möglichkeiten eingehen, die der Stille-Post-Effekt bei der mündlichen Überlieferung des Neuen Testaments (30-50 n. Chr.) gespielt haben wird, mal ganz abgesehen davon, dass die schriftliche Überlieferung (50-100 n. Chr.) durch die drei Synoptiker und Johannes in ihrer Eigenschaft als literarische Werke ihrer Zeit gewiss einige Ungereimtheiten, Übertreibungen und Erfindungen seitens ihrer Schöpfer erfahren haben. Fest steht jedenfalls, dass die kirchliche Ordnung, wie sie zur Zeit besteht, keinesfalls von Christus gewollt war. Die momentane Ordnung ist ein von Menschen erdachtes und geplantes System zum Zwecke der möglichst uneingeschränkten Machtausübung. Sie stammt aus einer Zeit, da die Mächtigen dieser Welt noch als einzig wahre Regierungsmöglichkeit die Monarchie „von Gottes Gnaden“ ansahen. Es gab noch keine Trennung von Kirche und Staat. Die Kirche, die seinerzeit noch stark in die politischen Geschehnisse eingriff, ja zum Teil sogar bestimmte, was die einzelnen Herrscher zu tun und zu lassen hatten, war eine sehr weltliche Angelegenheit, deren Mitglieder sich nur selten an ihre eigenen Glaubens- bzw. eventuell sogar Ordensvorschriften hielten. Den Menschen bot die Kirche die einzige Aussicht auf Besserung ihrer Armut und Standesdünkel, indem sie sie auf das Jenseits vertröstete. Im Diesseits wurden die Menschen aber ausgenutzt und mit Strafen belegt, falls sie einmal anfangen sollten, ihren Verstand zu benutzen.

Das Zeitalter der Aufklärung brachte zwar neue Ideen, Kant sprach von „dem Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, konnte sich aber lange nicht durchsetzen. Der Klimax dieser Ideen in die Praxis umgesetzt bedeutete Revolution. Und die kam ja auch. Im Jahr 1789 brach in Frankreich eine Revolution los, die das Aufbäumen des Menschen gegen Unterdrückung und Monarchie schlechthin symbolisierte. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit hieß die Devise. Doch die weitere Entwicklung der Geschehnisse zeigt, dass das blutige Opfer zunächst nichts einbrachte. Mit Napoleon trat ein neuer Monarch auf den Plan, der sich sogar zum Kaiser aller Franzosen ausrufen ließ und so die Idee der Demokratie auf das Schmählichste verriet. Nachdem der Versuch, den Machtbereich weiter auszudehnen, im Jahre 1812 gescheitert war, wurde das Voranschreiten der aufklärerischen Tendenz auf dem Wiener Kongress endgültig eingedemmt. Es ging wieder um handfeste machtpolitische Interessen von mehr oder minder Einzelpersonen und nicht um die Wünsche und Vorstellungen der voller Hoffnung nach Wien blickenden Völker.

In einer solchen Zeit war es nur verständlich, dass auch die Kirche eine ähnliche Organisation für sinnvoll hielt. Und damit die Gläubigen das auch einsahen, musste man es geschickt mit Bibelstellen belegen, um es für rechtmäßig oder 'gottgewollt' hinzustellen. Aber heute? –

Die Zeiten haben sich geändert. Die Menschen haben sich geändert, die Regierungen haben sich geändert, die Weltbilder haben sich geändert – die Kirche hat sich NICHT geändert. Alles hat sie einander irgendwie angepasst, hat Kompromisse gebildet, wie sie in einer Gemeinschaft unerlässlich für das tägliche Miteinander sind. Ich denke, es ist an der Zeit, dass die Kirche um der Menschen willen, die noch an einen Gott glauben, ihre Jenseitsausrichtung in eine Diesseitsausrichtung verwandelt und sich wieder mehr zu der ursprünglich von Jesus Christus geforderten Communio-Idee bekennt. Jesus Christus steht im Mittelpunkt und kein Papst oder Bischof. Es ist also kein 'Auflösen' der Kirchenhierarchie nötig, sondern einfach nur ein Umdenken derer, die diese Hierarchie bilden. Wenn sich die Kirchenoberhäupter wieder mehr auf ihre Hirtenaufgabe besinnen, statt auf das weltliche Herrschen und Konkurrieren um Taufscheine und Mitglieder, dann kann die Kirche sich auch bestimmt wieder steigernder Beliebtheit freuen. Nicht das Beharren in althergebrachten längst als überkommen und falsch entlarvten Moralvorstellungen (z.B.: Verhütung, Sexualität in der Kirche allgemein), sondern das Öffnen und Offensein für neue Ideen und Weltanschauungen und das Fallenlassen des Unfehlbarkeitsanspruches wird die Jugend beeindrucken. Menschen können nicht und werden nie unfehlbar sein. Und der Papst ist ja auch nur ein Mensch, oder? Ebenso ist die Öffnung und die Gleichbehandlung gegenüber den Frauen, sowohl als Inhaberinnen geistlich-klerikaler Ämter, als auch als Ehefrauen von Priestern ein immens wichtiger Schritt. So könnte man die Sinnhaftigkeit des Zölibats durch Mt. 19, 10-12 anzweifeln. Ein möglicher Kompromiss wäre doch, es den Priestern freizustellen, ob sie heiraten dürfen oder nicht.

In diesem Sinne ist es nun an der Kirche, wie ihre Zukunft aussehen wird. Sie trägt die Verantwortung für sich selbst. Sie kann ihr Problem selbst lösen – wenn sie auf Christus Jesus hört.

„Wer es fassen kann, der fasse es.“ (Mt. 19,12)

Dernbach, im Mai 1994

Peter Wayand

Mittwoch, 16. Januar 2013

Pohl liest Jason Dark (Pantheon, Bonn)

Gerd J. Pohl

Gestern Abend war ich mit einer guten Freundin in Bonn im Pantheon-Theater. Dort fand eine Lesung statt. Gerd J. Pohl las aus dem brandneuen Geisterjäger-John-Sinclair-Roman Nr. 1801 mit den Titel "Die lebenden Puppen des Gerald Pole" von Jason Dark vor. In dem Roman geht es um einen Puppenspieler, dessen sehnlichster Wunsch, den leibhaftigen Teufel zu treffen, auf unheimliche Art und Weise in Erfüllung geht. Der Teufel geht einen Pakt mit Pole ein und erweckt dessen Puppen - Pole ist Puppenspieler von Beruf - zu unnatürlichem Leben. Dies dient allerdings nur einem Zweck, nämlich dem Geisterjäger John Sinclair den Garaus zu machen.

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Man kann sich sicher denken, dass die Namensähnlichkeit zwischen dem Lektor Pohl und der düsteren Hauptfigur des Romans Pole nicht zufällig ist. Ebenso wenig ist es ein Zufall, dass beide, Pohl und sein literarisches alter ego Pole, von Beruf Puppenspieler sind. So betreibt Gerd J. Pohl in Bergisch-Gladbach ein Puppentheater und als sich der Puppenspieler und der Autor Jason Dark, der mit bürgerlichem Namen Helmut Rellergerd heißt, treffen, entsteht aus diesem Kennen lernen der Roman, der Gegenstand des Abends war.

Gerd J. Pohl liest Jason Dark

Jason Dark war persönlich zugegen; begleitet wurde der sympathische Autor von seiner Frau und seinem Sohn Matthias. Pohl stellte kurz die Fakten dieses außergewöhnlichen Autorenlebens vor: 1973 erfand Rellergerd den Geisterjäger John Sinclair, der zunächst im Rahmen der "Gespensterkrimi"-Heftroman-Reihe des Bastei-Verlags erschien, bis er dann 1978 eine eigene Heftromanreihe erhielt. 1801 Heftromane, 312 Taschenbücher und einige Hardcover-Bände umfasst die Serie bisher. So ist 2013 gewissermaßen ein doppeltes Jubiläumsjahr, 35 Jahre die eigenständige Serie und 40 Jahre (im Sommer) John Sinclair. 

 

In dieser langen Zeit hat es einige Bestrebungen gegeben, mehr daraus zu machen. So publizierte relativ früh in den 1980ziger Jahren das Tonstudio Braun 107 Folgen einer Hörspielreihe in Tonband-Kassettenform. Es folgten einige Verfilmungen (Die Dämonenhochzeit (1997), Geisterjäger John Sinclair - Die TV-Serie (2000)), die aber wenig erfolgreich waren. Ab dem Jahr 2000 schuf das Kölner Label WortArt eine neue Reihe von John Sinclair Hörspielen, die aktuell bei Nr. 78 angelangt ist und sich anhaltender Beliebtheit erfreut.

Gerd J. Pohl interviewt Jason Dark

Im Anschluss an die mit einer Dauer von etwas über anderthalb Stunden doch recht lange Lesung, bat Pohl den verehrten Autor noch einmal zu einem kurzen Interview auf die Bühne, das der "Mann der 2000 Romane", der am 25. Januar 68 Jahre alt wird, mit professioneller Weltgewandheit, gewitzt und charmant meisterte.

Die Zuhörerschaft war klein, zirka zwanzig Personen, dennoch aber kann ich sagen, ich war dabei, ich habe ihn kennen lernen dürfen. Und nicht nur ich! Waren meine Bekannte und ich schon aus dem Westerwald gekommen (zirka eine Stunde Anfahrtszeit), so toppte das natürlich eine Frau, die extra aus Kassel (!) angereist war. Er hat mir bei der anschließenden Autogrammstunde auch eine nette Widmung in meine Ausgabe von "Die Rückkehr des schwarzen Tods" geschrieben, was mir das Buch nun doppelt wertvoll macht, da es obendrein noch eine Erstausgabe ist.

Widmung von Jason Dark (15.01.2013)

Summa summarum: Ein toller Abend, eine schöne Lesung. Gerne mehr davon!

P.S.: Hier geht es zum Artikel von Hagen Haas im Bonner Generalanzeiger!
P.S.2: Hier geht es zur Rezension in der Bergischen Landeszeitung!

Freitag, 11. Januar 2013

Mein ist die Rache - Briefexperiment zu C.F. Meyer's Füße im Feuer

Im Wintersemester 2012/2013 entstand, im Rahmen des Seminars über Balladen in der Sitzung vom 11.01.2013 bei Prof. Dr. phil. Helmut Schmiedt folgender fiktiver Brief.

Hintergrund war eine Aufgabenstellung zu Conrad Ferdinand Meyer's (1825-1898) Ballade "Die Füße im Feuer" (1882). In dieser Ballade geht es um einen Knecht des Königs, der drei Jahre nach dem Tod einer Frau, die er gefoltert hat und die in der Folge gestorben ist, auf deren Ehemann und Kinder trifft. Der Ehemann hat die Möglichkeit, den Mörder seiner Frau zu bestrafen und zu töten, aber er tut es nicht und lässt ihn ungestraft von dannen ziehen, alles mit dem wagen Hinweis auf das alleinige Recht Gottes, Rache üben zu dürfen (vgl. Dtn 32,35; Röm 12,19).
Um diese Problematik mit Schülern ansprechend zu bearbeiten, sollte zum einen der Ehemann seinem Bruder und zum anderen der Mörder seinem fiktiven Bruder einen Brief schreiben, in dem er seine jeweiligen Beweggründen für sein Handeln darlegt. Folgendes kam dabei heraus:

Mein lieber guter Bruder,
 
diese Zeilen an dich zu schreiben, wurde mir sehr schwer, denn ich hatte heute die Möglichkeit, auf die ich seit Jahren gewartet hatte und habe sie vertan. Denn ER ist erschienen und begehrte Herberge in meinem Haus, ER der mir teuflisch das Weib mordete! ER, der Verhasste, der lange Gesuchte, der Mörder! Ihn hatte der Herr mir in die Hand gegeben!

Drei Jahre habe ich gewartet, gehofft, gefleht, geflucht und geweint! Drei Jahre! Doch der Reihe nach! Er kam gestern Abend, als draußen ein Gewitter tobte und bat um Einlass und Obdach für die Nacht, die ich ihm gewährte, da er mich auf seine Gewand und damit auf seinen Stand hinwies, den ich doch längst bemerkt hatte. Es war ein Knecht unseres Königs! Geschickt nach Nimes! Stell dir vor, ein Bedienter des Königs ist der Mörder meines Weibes! Er wurde erkannt, die greise Schaffnerin wusste sofort, wer er war, dem Dienstboten und den Kindern verschlug es vor Schreck die Sprache.

Ob er sich entsann? Ich denke schon! Ich gewahrte seinen Blick, der verstohlen über die Gemälde der Ahnengalerie strich, sein erschrockenes Angesicht, als er sich in den Sessel vor dem Herd warf! Er erkannte, wo er war und ihm kam es mit Sicherheit zu Bewusstsein, was er getan hatte. Er betrank sich hemmungslos! Er übergoss den Becher und schüttete den Wein draufgängerisch in sich hinein. Er forderte in der Manier eines großen Herren endlich sein Schlafgemach!

Ein Diener führte ihn hin! Wir lauschten an der Tür! Es schien, als prüfe er seine Waffen! Dann wurde es irgendwann sehr still, bis sein geräuschvolles Schnarchen bis in die große Halle drang! Ein Hohngelächter auf das Andenken meines Weibes, wenn du mich fragst.

Ich habe ihn nicht umgebracht! Ich konnte es nicht! Immerhin steht er im direkten Dienst des Königs! Was aber noch viel wichtiger ist, ist meine unerschütterliche Überzeugung, dass Gott, der Herr, der allein zur Rache Berechtigte ist, derjenige, der, wenn er es in seiner unendlichen Weisheit für angemessen hält, den elenden Mörder zur Buße seiner Tat fordern darf und ihm die Rechnung präsentieren wird.

Halte mich nicht für schwach, oder feige, lieber Bruder! Aber hättest du an meiner Stelle anders gehandelt? Die Entscheidung hat mich über Nacht ergrauen lassen! Die Verpflichtung, meinem Weibe gegenüber für Gerechtigkeit zu sorgen, hat mir die letzte Lebensfreude genommen und damit meinen Haaren die Farbe. Ich kann nur hoffen, dass SIE es mir verzeihen wird.

Nun, lieber Bruder, mag der Tod kommen. Heute oder morgen.
 
Germain de la Course, 
Viconte du Bréuil

Donnerstag, 3. Januar 2013

2013 - Das Jahr der Erneuerung - Vorsätze & Bilanzierung

Endlich ist es da, das Jahr 2013! Die Welt ist nicht untergegangen - wie ja auch zu erwarten war - die Feiertage sind wie üblich verlaufen, also es ist nichts Großartiges oder Besonderes passiert, Silvester verbrachte ich mit zwei wirklich guten Freunden und meiner traditionellen Feuerzangenbowle, und nun ist der 3. Januar gerade angebrochen. Ich bin relativ früh wach, habe mir für heute einiges vorgenommen.

Ich wurde gestern gefragt, welche Vorsätze ich mir für das neue Jahr genommen hätte. Ich überlegte und kam erstaunlicherweise doch auf zehn Punkte:
  1. Ich bin umgezogen! 
  2. Ich habe Maßnahmen ergriffen, damit ich endlich meine Finanzen in den Griff kriege.
  3. Ich habe mich von Leuten getrennt, die nicht gut für mich waren/sind.
  4. Ich bringe Ordnung in meine Wohnung und mein Leben.
  5. Ich schreibe endlich die Hausarbeiten, damit ich mein Qualistudium abschließen kann.
  6. Ich suche nicht mehr nach einer Frau! 
  7. Ich gründe meine eigene Bühnen-, Film- und Hörproduktionsfirma.
  8. Ich werde meinen ersten Erzählband und meinen ersten Roman in diesem Jahr bringen.
  9. Ich versuche, mir über meine Gefühle klar zu werden und mich nicht mehr in Dinge zu verrennen, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind
  10. Ich lasse Menschen, die ich liebe, gehen und in Frieden, wenn ich merke, sie fühlen sich bei mir unwohl oder ich fühle mich mit ihnen unwohl.
Und ich denke, ich kann sagen, dass ich bereits mit der Umsetzung dieser Vorsätze begonnen habe. Denn wenn man die Vierzig überschritten hat, also sozusagen die Hälfte des natürlichen Lebens, dann zieht man Bilanz und stellt sich neu auf. Sicherlich habe ich bisher nicht das für meine Heimat übliche Leben gelebt. Ich habe weder Familie noch Kinder (jedenfalls keine, von denen ich wüsste oder für die ich bezahle!), ich sitze nicht in einem trüben Bürojob, gehe nicht ein- bis zweimal die Woche abends in die Kneipe saufen und spiele am Wochenende eben nicht Fußball gegen irgendwelche Dorfvereine. 

Nein, stattdessen habe ich mittlerweile fünf Bücher mit Theaterstücken veröffentlicht, bin in zwei Lyrikanthologien vertreten, habe einen eigenen Artikel im Literaturlexikon Rheinland-Pfalz, eine eigene Homepage und habe in den letzten zehn Jahren einige ganz passable Inszenierungen gemacht.

Und heute?
  1. Ich bin in meinem Leben schon einige Male umgezogen. Das erste Mal 1998 von Dernbach nach Koblenz, dann 1999 von Koblenz nach Traben-Trarbach, 2000 von Traben-Trarbach wieder nach Dernbach und ein halbes Jahr später von Dernbach nach Limburg, 2003 von Limburg nach Mündersbach, 2007 von Mündersbach nach Deesen und jetzt aktuell im November 2012 von Deesen nach Höhr-Grenzhausen. Ich war und bin überall auf der Durchreise. Mal sehen, wie lange ich hier in Höhr bleiben werde. Doch mit dem letzten Umzug habe ich eindeutig eine Steigerung meiner bisherigen Lebensqualität erfahren. Und das ist gut so.
  2. Mit Geld umzugehen, war noch nie wirklich meine Stärke! Es floss mir immer förmlich durch die Hände, sickerte hindurch, ohne, dass ich es aufhalten konnte. Ich denke, auch da habe ich eine gute Absprache mit meinem mich betreuenden Geldinstitut getroffen, was diese Situation doch entscheidend verbessern wird.
  3. Ab und an muss man mal in seinem sogenannten Freundeskreis aufräumen! Man muss seine sozialen Beziehungen und Bindungen einer ernsthaften Prüfung unterziehen und sich fragen, sind die Leute, mit denen man zu tun hat, wirklich Freunde oder sind es lediglich Geschäftspartner, mit denen man in einer Zweckgemeinschaft in Beziehung steht. Wer tut dir gut und wer ist schlecht für dich? Wem kannst du wirklich rückhaltlos vertrauen, auf wen kannst du bauen, wer ist demnach also wirklich ein Freund zu nennen? Von Leuten, die dir schaden und die dich runterziehen oder in deinem Fortkommen behindern, sollte man sich sauber trennen! Dann wird vieles mit einem Schlag besser! Oftmals ist man erstaunt, welche neuen Wege sich da auftun.
  4. Die Wohnung ist oft der äußere Ausdruck des eigenen Seelenzustandes. Wenn die Wohnung also sauber und gepflegt erscheint, dann ist auch innerlich mit einem alles in Ordnung. Wenn nicht ... Muss ich noch mehr sagen? Also beginne ich in meinen eigenen vier Wänden! Das überträgt sich dann hoffentlich auf mein restliches Leben!
  5. Jetzt bin ich schon seit 2008 wieder an der Uni, um meinen Doktor zu machen, wie es so schön heißt. Dafür muss ich ein Qualifikationsstudium absolvieren, da man mit dem Realschullehrerexamen nicht direkt promovieren kann. Dazu sind vier Scheine nötig, zwei in jedem Fach, in meinem Fall also Germanistik und katholische Theologie, und eine Prüfung in jedem Fach. Die Theologie habe ich abgeschlossen, es fehlen noch die zwei Scheine in der Germanistik, um mich zur Prüfung anmelden zu können. Ich habe mich immer so ein wenig hinter meiner beruflichen Situation versteckt und behauptet, mit einer vollen Stelle wäre das sehr schwierig und arbeitsaufwändig, nun ja, ich habe mir halt immer eine Entschuldigung gesucht, warum ich so lange dafür brauche. Ich habe mir nun eine Deadline gesetzt, ich gehe jetzt diese beiden Arbeiten an und werde sie schreiben. Ich will, nein, ich muss endlich einmal damit zu Rande kommen.
  6. Die krampfhafte Suche nach einer Lebenspartnerin stellt einen weiteren Punkt im Leben dar, der nicht nur frustriert, sondern auch behindert. Also stelle ich das ab! Die meisten Frauen, die ich kennen lerne, sind entweder zu jung oder zu alt oder sie sind verheiratet und haben zwei bis drei Kinder an der Backe. Sicher, das mag hart klingen, aber ich wollte nie die Kinder anderer Leute großziehen! Aber was mache ich denn tagtäglich in der Schule? Allerdings ist das eine der Job, der Beruf, die "Berufung", das andere das Privatleben, und irgendwo muss es einen Unterschied geben. Auch spielt die Optik immer eine gewisse Rolle. Ich habe zuoft einen faulen Kompromiss gemacht, wenn ich mit einer Frau zusammenkam, die zwar ein toller Mensch war, ein liebenswerter Mensch, die mich aber optisch überhaupt nicht ansprach. Nein! Ich suche nicht mehr, ich lasse alles auf mich zukommen. Mal sehen, was mir das Leben noch so bringt.
  7. Also ich vor zwei Jahren aus meiner Theatergruppe einen Verein machte, war mir klar, dass das nicht gut gehen würde, dass das der Anfang vom Ende war. Sicher haben wir mit dem Projekttheater Westerwald e.V. einiges erreicht, ja, wir haben sogar eigentlich alles erreicht, was man mit einem solchen Verein von interessierten oder nicht interessierten Laien erreichen kann: Wir haben eine Auftragsarbeit für die BUGA Koblenz 2011 gemacht und wir haben die Bundesförderung des Bundesfamilienministeriums für das letzte Stück erhalten. Was wollen wir also noch mehr? Es ist so vieles gewesen, was die Arbeit immer schwieriger werden ließ. Hauptsächlich war es aber die Einstellung der Mitglieder zur Sache selbst, der fehlende Idealismus und die immer mehr um sich greifende Lustlosigkeit. Daher habe ich für mich beschlossen, sozusagen meine eigen Bühnen-, Film- und Hörproduktionsfirma zu gründen: "Catharsis Puzzles (CP) - Theater-, Film- & Hörproduktionen" heißt die sich im Aufbau befindliche Produktionsfirma, die es sich zur Aufgabe machen will, Bühnenstücke, Filme und Hörspiele auf höchstem Niveau zu produzieren, aufzuführen und zu vermarkten. Halbe Sachen wird es hier nicht geben. Entweder ganz oder gar nicht, so heißt die Devise. Erfolg wird erzeugt durch Mut, Durchsetzungsvermögen und eine gehörige Portion Idealismus. Alle, die an den CP-Projekten und -Produktionen mitwirken oder teilhaben, sollten sich diesem höchsten Anspruch verpflichtet sehen.
  8. Wenn ich auf mein bisheriges literarisches Oeuvre schaue, so sind die Theatertexte und das Hörspiel zwar gut und schön, auch die Zeitungsartikel waren nicht schlecht, dennoch aber ist die Königsdisziplin, das zeigen diverse Erfahrungen vor allem mit Literaturpreisen sehr deutlich, der Roman, bzw. die Erzählung. Ich habe schon oft versucht, einen Roman zu schreiben, blieb aber immer wieder bei dem Vorhaben an einer bestimmten Stelle hängen, kam nicht weiter und gab schließlich auf! Ideen habe ich genug, es wird Zeit, dass ich die Schwierigkeiten überwinde und in dieser Hinsicht auch mal ein Projekt abschließe. Die beiden Projekte für dieses Jahr heißen: mindestens einen Roman fertigstellen und einen Erzählband mit Erzählungen nach berühmten Balladen herausbringen.
  9. Gefühle sind eine heikle Angelegenheit! Viele Menschen, mich eingeschlossen, blicken oftmals im Rätselwald ihrer Gefühle absolut überhaupt nicht mehr durch, gehen Beziehungen ein, die sie eigentlich nicht eingehen wollen, denken, dass sie sich verliebt haben, dabei sind sie nur Opfer ihrer kochenden Libido geworden, können sich nicht trennen, da sie in ihrer Gewohnheit gefangen sind und Angst haben, sich aus dieser Gewohnheit zu lösen, ja, wir leben wohl in einer Zeit der Beziehungen, die oftmals eher kurzweilige Episoden darstellen, und nicht mehr in einer Zeit der Ehen und Familien. Patchwork heißt das Modewort, dass den aktuellen gesellschaftlichen Zustand treffend beschreibt, dennoch aber halte ich Patchwork schlichtweg für den Ausdruck eines gesellschaftlichen Burnouts, wenn ich ein anderes derzeit sehr aktuelles Modewort heranziehen darf. Dass Kinder, die aus solchen Verbindungen stammen, oftmals selbst nicht in der Lage sind, eine gesunde "normale" (man hat ja schon fast Angst, den Begriff "normal" in diesem Zusammenhang noch in den Mund zu nehmen) Familie zu gründen, ist ein Alarmzeichen, auf das scheinbar niemand achtet. Also heißt die Devise: Bringe Ordnung in deine Gefühlswelt! Werde dir bewusst, was du eigentlich wirklich willst und wen du willst! Überlege, weswegen du unbedingt eine Beziehung willst, hast, lebst. Die einzige Begründung, die zählt, heißt Liebe! Alles andere ist falscher Tand und Selbstbetrug!
  10. Abschließend nun noch eine alte Weisheit, die nicht von mir stammt, nichtsdestotrotz dennoch sehr aktuell ist! Wenn du wirklich liebst, kannst du und lässt du denjenigen, den du liebst, los. Wird deine Liebe erwidert, dann kommt dieser Mensch ganz allein zu dir (zurück), wenn nicht, lass ihn ziehen. Er ist dann glücklicher ohne dich! Das zu akzeptieren und zu verdauen mag hart sein, aber die Grenze zwischen wirklicher Liebe und einfachem Besitzanspruch ist oftmals fließend! Und besitzen kann man niemals einen Menschen oder ein Leben! Also, wenn du wirklich liebst, dann willst du, dass der Mensch, den du liebst, sich wohlfühlt, es ihm gut geht und er auf gar keinen Fall leidet! Dann sorge auch dafür, und wenn es vielleicht auch bedeutet, dass du ihn gehen lässt.
Soviel zum neuen Jahr! Der Eintrag ist nun doch um einiges länger geworden, als ich es zunächst wollte, aber da ich jetzt ja auch länger nichts mehr gepostet habe, ist das vielleicht auch ganz gut so.
Denken Sie einmal darüber nach.