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Mittwoch, 3. Oktober 2012

Der "Tag der Deutschen Einheit" 2012


Still ist es auf diesem Blog geworden, still, nicht weil ich nichts mehr zu sagen hätte, nein, still aus Mangel an Zeit, was ich allerdings nicht als Entschuldigung gelten lassen möchte. Ich melde mich heute, an diesem geschichtsträchtigen Datum zurück, um hier etwas zu posten und zu veröffentlichen, was ich für Wert halte, dass es nicht vergessen wird, wenngleich ich auch in einigen Punkten die Dinge anders sehe, als der Verfasser des unten stehenden Kommentars. Doch will ich den Text hier nicht einpflegen, ohne kurz zu schildern, wie es dazu kam.

Ich hatte gestern Abend, wohl um ein wenig zu provozieren und zu sticheln, die Frage auf Facebook gestellt, warum der Tag der Deutschen Einheit im Osten mehr gefeiert werden würde, als im Westen. Ich hatte diese Frage formuliert, ohne überprüft zu haben, ob das auch so ist. Ähnlich wie Luther seine Thesen an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug - was übrigens zirka 80 Kilometer nordöstlich von Leipzig liegt, also auch in der ehemaligen DDR - setzte ich meine These einfach einmal so ins Netz und harrte der Dinge, die da kommen würden. 

Und die Reaktionen kamen, ein Komglomerat der üblichen Klischees! Alles war da, von den Geldern, die seit der Wiedervereinigung 1989 und dem Zerfall der Sowjetunion 1990 in den Osten geflossen waren, über die nun im Osten blühenden Städte im Gegensatz zur Geldarmut viele Kommunen, Städte und Länder im Westen, die die Renovierung der einfachsten Dinge schier unmöglich macht, bis hin zum Thema Renten. Eines wurde drastisch bewusst, nämlich dass die Mauer im Kopf vieler Menschen immer noch besteht und höher zu sein scheint, als die reale Mauer, die Ost und West seit Anfang der 1960ziger Jahre trennte. Blühende Landschaften im Osten und verbrannte Erde im Osten also?

Und dann kam Kathleens Kommentar dazu, ihr erinnert euch, Kathleen, die Frau von Totti, die noch vor einiger Zeit meine Gastgeberin in Kanada gewesen war, wo Sie in Saskatoon, Sasketchewan mit Totti lebt. Für sie, die gebürtige DDR-Bürgerin, war das zu viel des Guten. Sie schrieb einen flammenden Kommentar, den ich für sehr wertvoll halte, weil er ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument ist, das den status quo sehr gut widerspiegelt, den wir gegenwärtig in Deutschland erleben.

Wie oben bereits erwähnt, stimme ich nicht in allen Punkten mit ihr überein, dennoch aber ist das, was sie hier sagt, en gros richtig und sie hat, so finde ich, das Recht, ihre persönliche Meinung, Ansicht und Sichtweise der Dinge als Zeitzeugin auch genauso mitzuteilen, wofür ich ihr hier eine entsprechende Plattform gebe. Mögen ihre Gedanken alle, die das hier lesen, nachdenklich stimmen und diesem Tag eine besondere Note verleihen.


Hier der Kommentar von Kathleen Schröder-Brass aus Saskatoon, Sasketchewan, Kanada:

 
"Es ist sehr schade zu lesen, dass sich nur Wenige dessen entsinnen, was wir alle eigentlich sind, egal, wo auf der Welt wir auch gerade unser Zuhause haben! Wir sind Menschen, sollten Mitmenschen sein und auch stolz darauf sein, das wir Deutsche sind. 

Ja es sind Bürger der ehemaligen DDR dazugekommen und in den vergangenen 22 Jahren haben diese ebenso wie die Bürger der "alten" BRD die Leistungen des Staates in Anspruch genommen.

Auch die DDR hatte ein System, ein Sozialwesen, was die meisten von euch schon vom Alter her gar nicht kennen können! Ich bezweile, dass das heutige Schulsystem entsprechend über dieses System in der ehemaligen DDR aufklärt! Diese Bürger haben auch ihre Leistungen, ihre Abgaben gehabt. Das System der DDR wurde einfach plattgewalzt. Ja, es war an vielen Stellen marode, besser gesagt, ausgebeutet. Warum? Weil die kleine DDR über Jahrzehnte den Ostblock, vor allem die große und eigentlich an allem so reiche Sowjetunion (heute Russland und viele andere Staaten) ernährt hat.

Mit der Wende hat man die DDR in ihrem Wert, so natürlich auch die Finanzen, herabgewertet und das nicht unerheblich. Glaubt ihr, dass es für den fleißigen Arbeiter aus der ehemaligen DDR, der für die meisten Anschaffungen (z.B. Auto; damals gleich Luxus) lange sparen musste, schön war, das ihm fünfzig Prozent und mehr seiner Werte durch Abstufung genommen wurden? Dieser einfache Bürger, oder nennen wir ihn „Ottonormalverbraucher“, hatte nichts damit zu tun, was die Politik und die Industriemacht entschieden und vollzogen hat!

Bitte schaut zurück und entsinnt euch, dass hier einst ein Volk getrennt wurde und in einigen eurer Kommentare spiegelt sich wieder, warum dieses Volk noch immer nicht wieder eins geworden ist. Es ist allem voran die Politik, die seit der Wiedervereinigung Kerben gezogen hat und dies nach wie vor tut, d.h. die deutschen Bürger haben nicht allesamt die gleiche Basis. Will man das überhaupt? Nein sage ich, denn durch diese unnötigen Diskussionen, ja, auch spürbare Verachtung, lenken sich so viele Mitbürger von dem ab, was gerade wieder über ihre Köpfe entschieden wird!

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie das so mit all den Hilfsarbeitern von damals, ihren nachgekommenen Familien, ihren Nachkommen heute und dem nach wie vor immer noch enormen Ansturm an Immigranten oder Asylbewerbern so in puncto „Kosten-Nutzen“-Frage auf sich hat?

Nein, ich möchte keine Verachtung dieser Menschen schüren, sondern nur darauf hinweisen, von wie vielen Millionen Menschen wie auch Geldern wir hier mittlerweile sprechen … Open End …

Meines Wissens nach gibt es mittlerweile keine Leistung mehr im Sozialstaat Deutschland, die nicht sofort auch von Neuankömmlingen (welcher Hintergrund auch immer hier besteht) in Anspruch genommen werden kann. Nein diese Menschen sind das nicht Schuld! Der Staat Deutschland hat sich mächtig verkalkuliert und keine Grenzen gezogen und tut dies bis heute nicht. Und Einige von euch wollen den ehemaligen DDR-Bürger verantwortlich machen!

Nochmal, man hat das Deutsche Volk getrennt und es war richtig diese Mauer niederzureißen, aber viele von euch bauen diese Mauer im Geiste wieder auf und zwar immer höher, schüren Abneigung und Hass! Die Schuld für die Situation, in der Deutschland heute steckt, liegt nicht bei diesen Bürgern der ehemaligen DDR, sondern bei groben Fehlern die in der Politik gemacht worden sind und das lange bevor die Mauer gefallen ist. In all den Jahrzehnten danach haben sich diese politischen Fehlentscheidungen nur immer weiter aufgebaut und sind nicht mehr tragbar. Ja, und das ist mit Sicherheit nicht richtig! Ihr alle, die ihr als Bürger in Deutschland lebt, habt diese Fehlentscheidungen heute teilweise ganz heftig mit zu tragen. Es wird vorerst nicht besser werden!

Aber, der falsche Weg ist, jemanden verantwortlich zu machen, der Deutscher ist, wie auch ihr euch nennt. Wenn ihr den dritten Oktober nicht feiern wollt, müsst ihr das nicht, aber ihr solltet nicht solche abwertenden, von Schuldzuweisung durchfluteten Worte verbreiten. Wer Deutscher ist und dies auch stolz sagen möchte, sollte nicht mit West oder Ost und nicht nach schuldig oder nicht schuldig beurteilt werden.

Wer von euch kann denn behaupten, er hat schon viel in das Sozialwesen Deutschlands einbezahlt, so auch die hier angesprochene Rentenkasse? Habt ihr deshalb Anspruch? Ihr müsst euch umorientieren, mehr Selbstverantwortung und Vorsorge für "euren" Ruhestand übernehmen, denn Deutschlands Töpfe sind fast leer ... Seid ihr Deutschland, habt ihr Nationalstolz und wollt ihr gemeinsam mit anderen Deutschen die Zukunft ändern, egal, aus welchem Teil Deutschlands sie kommen?

Ich bin in der DDR geboren und aufgewachsen, habe in verschieden Bundesländern der „alten“ BRD gewohnt und gelebt, und ich habe auch schon in der USA gelebt und nun ist Kanada mein Zuhause. Ob dies mein Zuhause bleibt, das weiß ich noch nicht, aber meine Heimat ist da, wo ich geboren wurde und wo meine Eltern mir viel für's Leben mitgegeben haben, dort wird auch immer meine Heimat sein, mein Herz.

Eines habe ich nie erlebt, dass man mich einen „Ossi“ genannt hat. Man hat sich mir gegenüber auch nie als etwas Besseres gegeben, weil man vielleicht „Wessi“ war! Mir sind auch nie feindselige Worte oder Verachtung entgegengeschlagen, weil ich Deutsche bin und aus dem Land komme, das in den Weltkriegen so viel Leid verstreut hat. Diese Zeit liegt lange hinter uns, genauso wie auch die guten fetten Jahre der BRD.

Weltoffentheit hat mir immer positive Erfahrungen gebracht, was nicht heißt, das immer alles einfach war. Es ist zu wünschen, dass viele von euch erst einmal lernen, offen gegenüber dem deutschen Bürger zu sein, eurem Nachbarn … nur so kann eine Einheit entstehen.

Ich danke für eure Zeit dies zu lesen und hoffe, dass ihr nachdenkt!

Kathleen Schröder-Brass"


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