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Montag, 13. Juni 2011

Lehrer, Leerer

Lieber Leser, weißt du, was das Wort „Lehrer“ bedeutet? Na sicher weißt du das, denn immerhin hast du, wie jeder andere Mensch, der in einem sogenannten zivilisierten Land aufgewachsen ist, selbst viele solcher Männer und Frauen erlebt, die sich mit dem Wort Lehrer bezeichnen und anreden ließen und lassen. Mal ganz nebenbei: Solche Leute gibt es natürlich auch in sogenannten nicht zivilisierten Ländern der Erde; dort werden sie unter Umständen anders genannt, aber das ist auch alles. Außerdem ist das hier nicht das Thema. 

Ein Lehrer ist demnach einer, der mal mehr mal weniger erfolgreich versucht, jemandem (in der Regel seinen Schülern – und auch allen anderen, die nicht seine Schüler sind und die sich nicht schnell genug davor retten können) etwas beizubringen. Dabei tut dieser Mensch so, als sei er das Nonplusultra und als habe nur er allein den Durchblick. 

Geliebt, gehasst, gefürchtet und total verkannt, ist der Lehrer ein Wesen, welches im Alltag trotz seines enormen Wissens eher durch den Drang, dieses Wissen zu verströmen, denn durch praktische Lebenstauglichkeit auffällt. Ein Lehrer hat in der Regel viel zu viel frei – nein, mache nicht den Fehler und addiere die Tage der Schulferien, das frustriert nur. Und ein Lehrer steht immer in einer nicht näher nachvollziehbaren Verbindung zu einer Einrichtung, die sich Schule nennt, Schule, Haus des Lernens, Bildungsanstalt, Penne, wie auch immer. 

Der Lehrer verteilt Noten, Klassenbucheinträge, Strafarbeiten und was die Klaviatur der Bestrafung noch so hergibt und er erfreut sich entweder einer totalen Beliebtheit oder wird gehasst und gemieden. Er verbringt oft mehr Zeit mit einem, als die eigene Familie und ist Papa und Mama und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Sozialarbeiter und Jobvermittler und noch so vieles mehr in einer Person. 

So ein Lehrer ist schon ein wunderlicher Zeitgenosse und so ein Lehrer war damals auch ich, beziehungsweise, ich hatte vor, so einer zu werden.

[Auszug aus: Peter Wayand, Lehrer, Leerer. Aus dem Leben eines Realschullehrers. Eine Reise. Fragment] 

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