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Samstag, 25. Juni 2011

Ferienbeginn

Ferienbeginn. In dem einen Wort liegt soviel an Bedeutung(en). Neulich war ich nachmittags in Koblenz unterwegs. Ich war nicht allein und mit meiner Begleiterin in ein angenehm kurzweiliges Gespräch vertieft. Wir waren unterwegs am Ufer der Mosel in Richtung des Deutschen Ecks.

Da wurde ich plötzlich unterbrochen von drei jungen Leuten, die dort in Höhe der ersten Beete, die wegen der BUGA angelegt worden waren, auf einer Bank saßen. Ich weiß gar nicht mehr, ob es nun drei junge Damen waren oder ob da auch noch ein junger Mann dabei war, allerdings erinnere ich mich noch sehr genau, dass mich eine dieser drei mit einem strahlenden Gesicht musterte und sich allerdings auch selbst nicht schlüssig war, ob sie mich kannte. Rasend schnell suchte ich in meinen Erinnerungen, mein Geist scante quasi mein Gehirn, doch so richtig wollte ich keine Übereinstimmung finden, die mir eine Ahnung davon vermittelt hätte, wer die junge Frau war. Wir sahen uns eine kurze Weile an, dann hub sie an zu sprechen, doch ich wehrte ab und sagte – schneller als es vielleicht gut und richtig war: „O nein, ich habe Ferien, ich kenne euch jetzt nicht!“ Damit drehte ich mich weg und ging mit meiner Begleitung weiter.

Doch seit dieser Begegnung lässt sie mir keine Ruhe mehr. Hatte ich das Recht dazu, so mit der jungen Frau umzugehen? Ich sehe immer noch den Ausdruck, der sich als Reaktion auf meine Aussage auf ihrem Gesicht widerspiegelte. Überraschung, Unverständnis, das Überlegen, ob ich das im Scherz gemeint haben könnte, aber auch Empörung, Wut und verletzter Stolz. 

Wer sie wohl gewesen ist? Ob ich das jemals erfahren werde? Sie könnte eine Schülerin gewesen sein, eine Ehemalige, eine Studentin, die ich von der Uni kannte … tja, und all diese Unsicherheit, all dieses Nachdenken nur eines unbedacht geäußerten Satzes wegen, einer Ablehnung von Kommunikation, einem Nachgeben von spontanen Lust- beziehungsweise Unlustgefühlen?

Ferienbeginn. In dem einen Wort liegt soviel an Bedeutung(en).

Montag, 13. Juni 2011

Lehrer, Leerer

Lieber Leser, weißt du, was das Wort „Lehrer“ bedeutet? Na sicher weißt du das, denn immerhin hast du, wie jeder andere Mensch, der in einem sogenannten zivilisierten Land aufgewachsen ist, selbst viele solcher Männer und Frauen erlebt, die sich mit dem Wort Lehrer bezeichnen und anreden ließen und lassen. Mal ganz nebenbei: Solche Leute gibt es natürlich auch in sogenannten nicht zivilisierten Ländern der Erde; dort werden sie unter Umständen anders genannt, aber das ist auch alles. Außerdem ist das hier nicht das Thema. 

Ein Lehrer ist demnach einer, der mal mehr mal weniger erfolgreich versucht, jemandem (in der Regel seinen Schülern – und auch allen anderen, die nicht seine Schüler sind und die sich nicht schnell genug davor retten können) etwas beizubringen. Dabei tut dieser Mensch so, als sei er das Nonplusultra und als habe nur er allein den Durchblick. 

Geliebt, gehasst, gefürchtet und total verkannt, ist der Lehrer ein Wesen, welches im Alltag trotz seines enormen Wissens eher durch den Drang, dieses Wissen zu verströmen, denn durch praktische Lebenstauglichkeit auffällt. Ein Lehrer hat in der Regel viel zu viel frei – nein, mache nicht den Fehler und addiere die Tage der Schulferien, das frustriert nur. Und ein Lehrer steht immer in einer nicht näher nachvollziehbaren Verbindung zu einer Einrichtung, die sich Schule nennt, Schule, Haus des Lernens, Bildungsanstalt, Penne, wie auch immer. 

Der Lehrer verteilt Noten, Klassenbucheinträge, Strafarbeiten und was die Klaviatur der Bestrafung noch so hergibt und er erfreut sich entweder einer totalen Beliebtheit oder wird gehasst und gemieden. Er verbringt oft mehr Zeit mit einem, als die eigene Familie und ist Papa und Mama und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Sozialarbeiter und Jobvermittler und noch so vieles mehr in einer Person. 

So ein Lehrer ist schon ein wunderlicher Zeitgenosse und so ein Lehrer war damals auch ich, beziehungsweise, ich hatte vor, so einer zu werden.

[Auszug aus: Peter Wayand, Lehrer, Leerer. Aus dem Leben eines Realschullehrers. Eine Reise. Fragment]