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Mittwoch, 16. Februar 2011

Stadt, Land, Single

Heute Nachmittag war ich mit einer sechsten Klasse, die ich in Deutsch unterrichte, in der Dreiuhrvorstellung im Kino. Wir haben uns den neuen Film von Til Schweiger „Kokowääh“ angesehen. Dienstags ist das immer sehr günstig, da ist Kinotag, und man kommt zu wirklich günstigen Preisen ins Kino. Ich mache das ab und an einmal, wenn ich mich bei den Kids bedanken will, weil sie so ordentlich gearbeitet haben und fleißig waren. Es sind in der Regel auch immer einige Eltern mit. 
In dem Film, den ich für einen sehr guten, gelungen, ja, ich bin sogar versucht zu sagen „pädagogisch wertvollen“ Film halte – ob das Prädikat nun passt oder nicht – geht es um die zentrale Frage: „Was ist ein Vater?“ Schweiger nennt das selbst in seiner Rolle als Drehbuchautor den „zentralen Konflikt“ seiner Geschichte. Diese Geschichte ist schnell erzählt. Ein 42-jähriger Drehbuchautor, der sein Singledasein genießt, massenhaft Affaire mit Frauen hat, deren Namen er oftmals nicht mehr weiß wird drastisch mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Zum einen taucht eine verflossene Freundin auf, die er verlassen hat und die mittlerweile zu Geld gekommen ist. Sie möchte ihn als Co-Autor für die Film-Adaptation ihres Erfolgsromans haben. Parallel dazu setzt ihm eine ehemalige Freundin, die er seit seiner Schulzeit kennt, und die er im Rahmen einer Affaire in Stockholm, als sie auf dem Weg zu ihrer Hochzeit ist, geschwängert hat, seine 8-jährige Tochter vor die Tür, von der er bis dato noch nichts wusste.
Das dies Probleme aufwirft, lässt sich leicht vorstellen, denn der Lebemann und Gigolo kann nicht und will nicht mit Kindern. Verschärft wird der Konflikt noch, als der bisherige Vater der Kleinen, nachdem er erfahren hat, dass er nicht der leibliche Vater ist, auftaucht und Ansprüche anmeldet.
Vor diesem Hintergrund entwickelte sich ein Gespräch mit einer Mutter, die mich direkt ansprach, ob ich denn auch Kinder hätte. Überrascht verneinte ich und bemerkte ironisch, dass mir Gott diese Gnade versagt hätte. Freundlich aber bestimmt kam darauf die Frage: Noch nicht, oder?
Ich erklärte ihr flüsternd, dass ich in diesem Jahr neununddreißig würde, und dass ich mich langsam damit abfinden würde, dass ich wohl kein Vater mehr werden würde. Der Zug sei abgefahren oder das Ding sei durch und hinter'm Pflug wäre geackert.
Blödsinn, bekam ich zur Antwort, hier am Land wäre das wohl so, aber in einer Großstadt wie Berlin, Frankfurt oder München sei ich in diesem Alter ein relativ junger Single.
Ich bemerkte konsterniert, dass ich aber nun mal nicht sechzig sein wollte, wenn meine Kinder zwanzig wären. Sie sehen aber erstens nicht aus wie ein fast 40-Jähriger und außerdem hätten Männer doch kein Verfallsdatum. Die könnten immer. Das sähe bei Frauen doch ganz anders aus. Sie hätte sich auch nicht träumen lassen, einmal nur ein einziges Kind zu bekommen.
Dieses Gespräch veranlasst mich, heute einmal die wichtige Frage zu stellen, ob es wirklich einen gravierenden Unterschied zwischen Single sein auf dem Land und in der Großstadt gibt. Was das Kennen lernen betrifft, ist es wirklich so. Wenn man auf dem Land jemand treffen will, dann muss man gewisse Entfernungen in Kauf nehmen, was in der Stadt wesentlich erleichtert wird. Auf dem Land eine Disco zu finden ist schwieriger, es bleiben nur die Dorfkirmes, Feuerwehrfeste, Kommerze und solche Sachen.
Nun leben wir aber im Kommunikationszeitalter, was bedeutet, dass man im Durchschnitt die meisten Kontakte im Internet über sogenannte Single-Plattformen schließt. Das wirkt sich nicht nur auf die Art und Weise sondern auch auf die Qualität des Kennenlernens aus. Man kann heute alles mögliche über den potentiellen oder auch real existenten Partner erfahren, wenn man Plattformen wie Facebook oder wer-kennt-wen benutzt, oder vermittels Twitter oder Flickr alles mögliche in den Äther bläst, wovon man noch vor einigen Jahren gar nicht gewollt hätte, dass es jeder erfährt.
Leben wir also in einem Glaskasten und kann jeder unser Leben von überall her durchleuchten, ob und das passt oder nicht?
Es gibt viele junge Menschen, die derzeit geradezu einen Rückfall in die Steinzeit vollziehen, in dem sie auf sämtliche moderne Kommunikationsmedien verzichten. Sie besitzen kein Handy, keinen Computer, ja, oftmals noch nicht mal einen Fernseher. Sie sind ganz bewusst analoge Menschen in einer digitalen Welt. Sie gehen auch wieder in Bars und Kneipen, um mögliche Partner kennen zu lernen. Sie verlassen sich auf den Zufall, den Lebenspartner im Supermarkt an der Kasse zu treffen. 
Sicher sind beides Extreme. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, irgendwo in der Mitte.
Denken Sie mal darüber nach.

1 Kommentar:

  1. Lieber Peter, warte mal ab! Frau und Kind, wer stellt die Weichen? Du? Fügung? Schiksal? Du hast soviele Dinge um die Ohren, Schule, Beruf, Hobby, Deine teils genialen Ideen. Und irgendwan wird Dir eine Frau in die Augen schauen und Du wirst wissen: Dat is se!
    Mir gings so! Und Du kannst mich! Äh, uns.
    Alles liebe vom Totti!

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